Bienen-Stich zur Stich-Wahl – SPD Luckenwalde feiert ihr Herbstfest

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Generalsekretär Tim Klüssendorf unterstützt Kandidatur von Matthias Grunert

Besser parteilos? Na ja, Einzelkämpfer können sich auf niemanden verlassen und stehen oft allein da

Mitglieder einer Partei haben es oft schwer, sich als Kandidaten gegen parteilose Mitbewerber durchzusetzen, weil sie sich für vieles rechtfertigen müssen, was sie gar nicht zu verantworten haben. Das weiß auch der einstige Kommunalpolitiker und inzwischen Bundestagsabgeordnete und SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf. Er kam am Sonnabend nach Luckenwalde zum Herbstfest der SPD, um deren Bürgermeisterkandidaten Matthias Grunert zu unterstützen. Doch die Vorteile einer Parteimitgliedschaft überwiegen spätestens dann, wenn man als Bürgermeister Unterstützer hat, auf die man sich verlassen kann und über die Partei einen leichteren Zugang zu höheren Ebenen wie Land und Bund hat. Deshalb seien Parteien – insbesondere natürlich die SPD – für die Kommunalpolitik nicht hinderlich, sondern vielmehr förderlich.

Luckenwalde. „Moin erstmal.“ So begrüßte der junge Mann aus dem hohen Norden am Samstagnachmittag die Luckenwalder auf ihrem Boulevard. Tim Klüssendorf (34) kommt aus Lübeck, ist Bundestagsabgeordneter und Generalsekretär der Bundes-SPD. Als solcher besuchte er an der Volksbühne das Herbstfest der Luckenwalder SPD, um deren Bürgermeisterkandidaten Matthias Grunert (46) in seinem Wahlkampf zu unterstützen. („Ich drücke Dir die Daumen. Du bist einer, der anpackt und ein super Kandidat.“)

Denn Matthias Grunert hat es in die Stichwahl geschafft, muss aber einen gehörigen Abstand zu seinem anderen erfolgreichen Gegenkandidaten aufholen, um ihn noch einzuholen. Eine der Hürden bei dieser Aufholjagd ist offensichtlich seine Zugehörigkeit zur SPD. Denn: „Lieber als Parteiloser zu kandidieren, scheint ja richtig in Mode zu sein“, vermutet der örtliche SPD-Landtagsabgeordnete Erik Stohn (41) und fragte den obersten Parteimanager der SPD: „Warum lohnt es sich trotzdem, Mitglied einer Partei, oder besser gesagt: Mitglied der SPD zu sein?“

Auch er beobachte diesen Trend mittlerweile schon zum wiederholten Mal, meinte der SPD-Generalsekretär. Tim Klüssendorf hat in seiner Zeit als Kommunalpolitiker in Schleswig-Holstein beobachten können, wie dort gleich mehrere parteilose Bürgermeister nach einer Weile wieder abgewählt wurden. „Als Bürgermeister braucht man eine Basis, auf die man sich verlassen kann und die einen auch überprüft, parteiintern korrigiert und unterstützt“, weiß Klüssendorf aus Erfahrung. Den parteilosen Bürgermeistern, die es ja meistens auch nicht ohne einen Unterstützerkreis geschafft haben, ins Amt gewählt zu werden, „gehen diese Unterstützer aber schnell wieder flöten, wenn nicht alles so klappt, wie sie es von ihrem Kandidaten erwartet haben“. Und dann stehe der parteilose Bürgermeister als Einzelkämpfer ganz allein auf weiter Flur und kriege gar nichts mehr geregelt.

So sei es durchaus von Vorteil, den Rückhalt einer Partei zu genießen, betonte Tim Klüssendorf. Und außerdem sei es für den Vertreter einer Stadt ungemein wichtig, „Dinge zu beeinflussen, die nicht nur vor Ort entschieden werden können“. Dazu brauche man Kollegen und Vertraute, die auf anderen Ebenen, wie im Land oder im Bund Einfluss haben. „Als Parteiloser ist man dabei auf sich gestellt“, weiß Klüssendorf. „Als Mitglied einer Partei habe ich den Vorteil, dass sie auf allen Ebenen vertreten ist.“ Die Vorstellung, dass man als Einzelkämpfer mehr erreichen könne, sei sehr idealistisch und werde von der Realtität aber schnell eingeholt.

Klüssendorf räumte ein, dass es zumindest im Wahlkampf auf kommunaler Ebene durchaus von Nachteil sein kann, als Mitglied einer Partei zu kandidieren. Denn: „Man muss sich da immer für die Bundes- oder Landespolitik rechtfertigen und wird deshalb oft nicht gewählt.“

(Diesen Bonus des „Parteilosen“ nutzt im gegenwärtigen Bürgermeister-Wahlkampf in Luckenwalde Matthias Grunerts Gegenkandidat Jochen Neumann voll aus. Dabei vermeidet er es aber darauf hinzuweisen, dass er inzwischen zum 3. Mal über die Partei „Die Linke“ in die Stadtverordnetenversammlung gewählt worden ist. Außerdem unterstützt ihn die Linkspartei in diesem Wahlkampf massiv, weil er gewissermaßen ihr Kandidat ist.)

Man sollte aus diesem Nachteil aber einen Vorteil schlagen, schlug Tim Klüssendorf seinen Luckenwalder Parteifreunden vor: „Die SPD ist kein geschlossener Laden.“ Sie biete jedem, der sich in der Partei engagiert, Zugang und Einflussmöglichkeiten zu höheren Ebenen. Wer also etwas ändern oder verbessern will, der gehe am besten in eine Partei, die ihm am nächsten steht.

Das bestätigte der Landtagsabgeordnete und SPD-Kreisvorsitzende Erik Stohn: „Eine Partei kann immer nur so gut sein, wie ihre Mitglieder. Unsere SPD lebt von der Vielfalt, von den unterschiedlichen Fähigkeiten und Kenntnissen ihrer Mitglieder.“

Dem stimmte ihr Generalsekretär zu: „Parteien sind nichts Negatives, sondern etwas Tolles“, sofern sie demokratische Absichten hegen. „Dabei helfen die unterschiedlichen Blickwinkel ihrer Mitglieder, gemeinsamen Ziele zu entwickeln.“

Bürgermeisterkandidat Matthias Grunert verglich seine Partei mit einem Fußballteam: „Man stelle sich vor“, so Grunert, „unser Regionalligist, der FSV 63 Luckenwalde, sei keine Mannschaft, sondern bestehe aus elf Einzelgängern. So würden überhaupt keine Tore fallen und er wäre auch nie so weit aufgestiegen.“ Es komme vielmehr darauf an, so Matthias Grunert, um dasselbe Ziel zu kämpfen – und das gemeinsam und miteinander abgestimmt.

Und das Ziel der SPD heiße seit rund 150 Jahren „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“, so ihr Generalsekretär Tim Klüssendorf. „Deshalb lohnt es sich, in dieser Partei zu sein.“

Neben (Partei-)Politik und (Wahlkampf-)Reden gab es auch viel entspannte Unterhaltung. Für coole Musik sorgte die Band „TastenFeuer“ der Musikschule Teltow-Fläming und für Kinder-Spaß der weibliche Clown „Natscha“. Die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Luckenwalde sorgten für kostengünstige Speisen und Getränke. (Auch das gehört zur Basis-Arbeit eines Parteimitglieds dazu.) Neben Grillfleisch und Bratwürstenboten sie Zwiebelkuchen und süße Leckereien an. Der Renner war natürlich der Bienen-Stich – ein Sinnbild sozusagen für die Stich-Wahl, die der Hobby-Imker und Herr über 10.000 Bienen, Matthias Grunert, trotz oder wegen seiner SPD-Mitgliedschaft zu gewinnen hofft.