Das „theater 89“ inszeniert Dokumentationsdrama zur Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED: „… es bleibt uns ja nischt Walter Ulbricht“
Jüterbog. „Halb zog er sie, halb sank sie hin“ – mit diesem etwas verfremdeten Goethe-Zitat lässt sich vielleicht die Situation der Sozialdemokratie in dem von der Sowjetunion besetzten Teil Deutschlands nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs charakterisieren. Endlich befreit vom Hitler-Faschismus durch die Rote Armee drohten die bis dahin verfolgten Sozialdemokraten wieder in eine Diktatur zu gleiten und diesmal sogar mit eigener Beteiligung. Zunächst umworben von der Besatzungsmacht, die erkannte, dass die KPD bei weiten nicht den Rückhalt in der Bevölkerung hatte wie die SPD, glaubt die SPD in der „Ost-Zone“ den Versprechungen General Schukows, der im Auftrag von Machthaber Stalin die Einführung demokratischer Verhältnisse ankündigt. Er propagiert den Zusammenschluss beider deutscher Arbeiterparteien, deren Spaltung nach dem Ersten Weltkrieg mit dazu geführt hatte, dass Hitlers Nationalsozialismus so stark werden konnte.
Um den Verwaltungsaufbau und die politischen Verhältnisse in der eigenen Besatzungszone nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, also unter Führung der moskauhörigen KPD und ihres Vorsitzenden Walter Ulbricht, forciert die Besatzungsmacht den „Einigungsprozess“ der beiden Arbeiterparteien. Die SPD ist dabei hin- und hergerissen zwischen Hoffen und Bangen, geht schließlich darauf ein und letztlich in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) unter.
Nach den Aufzeichnungen des Sozialdemokraten Erich W. Gniffke („Jahre mit Ulbricht 1945-48“) und der fachlichen Zuarbeit der Historischen Kommission der SPD Brandenburg inszenierte das „theater 89“ das Stück „Zwangsvereinigung oder ,… es bleibt uns ja nischt Walter Ulbricht‘“, soll heißen: „nichts weiter übrig“. Dieses Wortspiel machte klar, wo der Hammer und die Sichel hingen. Dieses Dokumentationstheater, wie man es nennen könnte, zeichnete in intensiven zwei Stunden das Drama der SPD in der Sowjetischen Besatzungszone nach. „Das ist ein Stück unterbelichteter Geschichte“, sagte der örtliche SPD-Landtagsabgeordnete Erik Stohn vor der Aufführung. „Es zeigt, dass die Demokratie stets gefährdet ist. Das Stück soll dazu wachrütteln, sie ständig zu verteidigen“
Die Uraufführung fand mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung fast auf den Tag genau am 80. Jahrestag des Vereinigungsparteitages (22. April 1946) in der Aula des Goethe-Schiller-Gymnasiums in Jüterbog statt – am Donnerstagvormittag (16. April) für die 11. und 12. Klassen der Schule und am frühen Abend für die Öffentlichkeit.