Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD) bittet Gartenbesitzer um Rücksicht beim Einsatz von Mährobotern
Luckenwalde. Leise schleichen sie über den Rasen und sorgen für einen ständig gepflegten Eindruck der Grünfläche. Wie von Geisterhand geführt rollen die modernen Mähroboter über das Gras, das sie mit ihren rotierenden scharfen Messern immer auf gleicher Höhe halten. Das geht so Tag und Nacht, weil – vor allem die neueren Modelle – sehr geräuscharm arbeiten und niemanden stören.
Dennoch geht von ihnen eine von vielen Menschen unerkannte Gefahr aus: Die Mähroboter verletzen und töten kleine Wildtiere wie Igel, Amphibien, Reptilien und Kleinsäuger und das mittlerweile in Größenordnungen. „Wir gehen davon aus, dass inzwischen 1,5 bis zwei Millionen Rasenmäh-Roboter unterwegs sind“, sagte Dominique Rotandi, Geschäftsführer der toom-Baumärkte in der Rewe-Gruppe, am Rande der Eröffnung einer Kampagne zum Igelschutz im Gartencenter des toom-Baumarktes in Luckenwalde. Seit etwa zwei Jahren, so die Luckenwalder Gartencenter-Leiterin Melanie Pfeiffer, gebe es moderne Mähroboter, die im Weg stehende oder liegende Gegenstände erkennen und umrunden könnten, am sichersten sei es aber, abends und nachts die Geräte überhaupt nicht einzusetzen.
Genau darum geht es bei der Kampagne „Dein Einsatz für den Igel“, den die brandenburgische Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD) am 16. Juli in Luckenwalde gestartet hat. Sie kam eigens aus Potsdam angereist, „weil es mir wichtig ist, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher davon erfahren, dass ihre Mähroboter eine ernsthafte Gefahr für die Tierwelt in ihren Gärten sind“.
Es gehe dabei überhaupt nicht darum, die Mähroboter zu verbieten. Immerhin erleichterten sie ja die Gartenarbeit erheblich. Nur seien die Wildtiere eben nachtaktiv und müssten in dieser Zeit geschont werden, so die Ministerin. Sie baut auf die Aufklärung der Gartenbesitzer sowie auf deren freiwillige Bereitschaft, im Sinne des Tierschutzes ab Einbruch der Dämmerung und bis zum nächsten Sonnenaufgang auf den Einsatz ihrer Mähroboter zu verzichten.
Im Landkreis Dahme-Spreewald, in Cottbus und auch in Trebbin wurden inzwischen durch Allgemeinverfügung ein Nachtfahrverbot für Mähroboter erlassen. Im Landkreis Teltow-Fläming hat die SPD/Grüne-Fraktion im Kreistag einen entsprechenden Antrag eingebracht, wonach auch hier der Einsatz von Mährobotern abends, nachts und am frühen Morgen untersagt werden soll. „Die Mähmesser der Roboter sind stärker als die Stacheln der Igel“, sagt der Fraktionsvorsitzende und SPD-Landtagsabgeordnete Erik Stohn. „Alle handelsüblichen Geräte lassen sich problemlos entsprechend programmieren. Das schützt nicht nur die Tiere im Siedlungsbereich, sondern stärkt den Naturschutz insgesamt in unserem naturreichen Landkreis“, betont Erik Stohn.
Kreistagsmitglied Sandra Gesche (Bündnis90/Die Grünen) ergänzt: „Der Landkreis Teltow-Fläming trägt mit über 27.000 Hektar Naturschutzgebieten eine besondere Verantwortung für die biologische Vielfalt. Da immer mehr Igel den Kontakt mit Mährobotern nicht überleben und die Art seit Oktober 2024 als ‚potenziell gefährdet‘ gilt, müssen wir jetzt handeln. Eine kreisweite Regelung schafft einheitliche Schutzstandards und vermeidet den Flickenteppich kommunaler Einzellösungen.“
