Platzeck und Grunert im Gespräch: „Wir brauchen wieder mehr Zuversicht“

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Luckenwalde. Ein Matthias kommt selten allein – so auch neulich in Luckenwalde.

Der eine, Platzeck, war elf Jahre lang Ministerpräsident von Brandenburg, der andere, Grunert, will hier in der Kreisstadt am 28. September Bürgermeister werden. Die beiden Sozialdemokraten luden an diesem Abend zur Diskussion über Brandenburgs Zukunft ein und lockten damit trotz sommerlicher Temperaturen rund 40 Interessierte in den Saal der „Goldenen 33“. Die Moderation des mal launigen, mal nachdenklichen Gesprächs übernahm der SPD-Landtagsabgeordnete Erik Stohn.

„Das, was ich sage, wird nicht vor Optimismus strotzen“, leitete Platzeck ein. Die Unzufriedenheit, die man derzeit in Ostdeutschland sehe, habe ihre Wurzeln in der Wiedervereinigung, „einem Zusammenbruch, der gerne Umbruch genannt wird.“ Auch nach 35 Jahren sei die Einheit nicht vollendet und ein Ungleichgewicht zwischen Ost und West zu spüren. Dies bleibe nicht ohne Folgen: Die Demokratie sei heute gefährdet, mahnte er: „Wir müssen verstehen, dass sie kein gottgegebener Zustand ist, sondern eine harte Aufgabe.“ Sein Wunsch: „Wir brauchen wieder mehr Zuversicht und Freude an der Demokratie. Mit Empathie und Gelassenheit statt Schaum vor dem Mund.“

Ein guter Ort, um neue Zuversicht zu schaffen, ist die Kommunalpolitik – da sind sich die drei SPD-Politiker einig. „Nirgendwo sonst spürt man die Auswirkungen von Politik so deutlich“, weiß Platzeck. Er selbst war von 1998 bis 2002 Oberbürgermeister von Potsdam. Warum er sich damals für die Kandidatur entschieden habe, wollte Stohn wissen. Platzeck: „Wenn meine Heimatstadt mich braucht, bin ich da.“ Den „Ur-Luckenwalder“ Matthias Grunert sieht der frühere Landesvater als ausgezeichnete Wahl für das Bürgermeisteramt an: „Er bringt die Fähigkeiten mit, die es braucht. Er kann gut mit Menschen umgehen und will ihnen nichts vormachen.“

Im weiteren Verlauf des Abends war auch das Publikum dazu aufgerufen, Fragen zu stellen. Als eine Bürgerin das Sicherheitsgefühl in der Stadt ansprach, war Grunerts Erfahrung als Polizeibeamter gefragt. Er wies zwar auf die Kriminalstatistik hin, nach der Luckenwalde nicht unsicherer geworden sei, aber betonte auch: „Zahlen nutzen nichts bei Gefühlen.“ Als

 

Bildunterschrift: Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck, der Luckenwalder Bürgermeisterkandidat Matthias Grunert und der Landtagsabgeordnete Erik Stohn (alle SPD, v. l.) während der Gesprächsveranstaltung in der „Goldenen 33“.
Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck, der Luckenwalder Bürgermeisterkandidat Matthias Grunert und der Landtagsabgeordnete Erik Stohn (alle SPD, v. l.) während der Gesprächsveranstaltung in der „Goldenen 33“.

Bürgermeister werde er seine Aufgabe darin sehen, das Sicherheitsgefühl auf pragmatischem Wege zu verbessern, zum Beispiel mit stärkerer Kooperation von Polizei und Ordnungsamt und besserer Beleuchtung im öffentlichen Raum.

Außerdem ging es im Austausch mit dem Publikum um die ostdeutsche Identität, um Zivilcourage und Zusammenhalt, um die städtischen Finanzen und den Umgang mit Leerstand. Die Verbundenheit zu Luckenwalde war Grunert dabei anzumerken: „Wir sind die kleine Stadt, die alles hat. Es gibt kaum eine Stadt dieser Größe, die ihren Einwohnern so viel bietet.“ Doch er sei sich auch der Herausforderungen bewusst – deshalb habe er das Motto „Einfach machen“ gewählt. Man müsse sich trauen, Probleme anzusprechen und dürfe nicht „mit der Faust in der Tasche durch die Stadt gehen.“ Die Menschen erwarteten, so Matthias Grunert, dass Entscheidungen und Lösungen schnell und gut umgesetzt werden.

Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck, der Luckenwalder Bürgermeisterkandidat Matthias Grunert und der Landtagsabgeordnete Erik Stohn (alle SPD, v. l.) während der Gesprächsveranstaltung in der „Goldenen 33“.
Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck, der Luckenwalder Bürgermeisterkandidat Matthias Grunert und der Landtagsabgeordnete Erik Stohn (alle SPD, v. l.) während der Gesprächsveranstaltung in der „Goldenen 33“.