Katja Poschmann (SPD) fordert mehr Änderungsbereitschaft bei Lehrkräften aber auch mehr Rückhalt für sie
Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Katja Poschmann, sprach auf Einladung des örtlichen SPD-Landtagsabgeordneten Erik Stohn in Jüterbog über die Herausforderungen der brandenburgischen Bildungspolitik und die Chancen für die Jugend.
Jüterbog. Beim Fußball gibt es in Deutschland geschätzt 85 Millionen Bundestrainer oder zumindest selbsternannte Experten, die sich diesen Job zutrauen. “Mit der Schule ist das ähnlich”, meinte Katja Poschmann beim SPD Stammtisch Bildung im Jüterboger SPD-Büro.
Was die Bildungsergebnisse in Brandenburg beträfe, sei niemand zufrieden, sagte die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im brandenburgischen Landtag. Als solche kennt sie die Probleme und versucht praktikable Lösungen zu finden. Selbst Lehrertochter und Mutter von zwei Kindern, sieht die 46-jährige Betriebswirtin das Thema von beiden Seiten. “Wir sollten das nicht nur aus der Sicht der Lehrer betrachten und gleichermaßen auf die Kinder unseren Fokus legen.” meinte sie. Also: Nicht nur an den Lehrkonzepten feilen, sondern das Lernen in den Mittelpunkt stellen. “Wir haben bisher alles gelehrt, aber nichts vertieft.”
Deshalb ändere man nun auch die Rahmenlehrpläne. Diese seien bei der bisher geltenden selbstständigen Ausgestaltung durch die Schulen meist insofern missverstanden worden, als dass alles das umgesetzt werden müsse, was drinsteht. “Jetzt werden wir die Schulen dadurch mehr unterstützen, indem feste Lehrpläne vorgegeben werden”, so Katja Poschmann. Das werde viel Wirkung zeigen, ist sie zuversichtlich.
Bei der Frage, wie Schule besser funktionieren könne, werde leider oft auf die Erkenntnisse der Bildungsforschung verzichtet, beklagte Poschmann. So beginne die Schule vielerorts bereits um 7.30 Uhr. Anstelle des Frontalunterrichts sollte besser ein offener Unterricht am frühen Morgen stattfinden, meinte sie. Auf den Einwurf eines anwesenden Schülers, warum das denn nicht umgesetzt werde, meinte die Abgeordnete: “Gesetzlich haben wir alle Voraussetzungen geschaffen. Es liegt aber an der Haltung der Lehrer. Die kann man nicht verordnen.” Dabei müsse nicht alles ganz anders gemacht werden. Vielmehr reiche es oft, interne Strukturen anders zu regeln. Aber bei 23.000 Lehrkräften in Brandenburg sei nicht jede gleich. “Veränderung kostet immer Kraft”, zeigte Poschmann Verständnis, “und die Arbeitsbelastung lässt nicht viel Spielraum zu.” Außerdem bräuchten die Lehrerinnen und Lehrer mehr Rückhalt in der Bevölkerung, was bei 85 Millionen fußball- und schulerfahrenen “Trainern” und “Pädagogen” nicht ganz leicht sei.
Was die so genannten Seiteneinsteiger betrifft, so brach Poschmann eine Lanze für sie: “Sie haben schon einen Beruf erlernt und meistens eigene Kinder. Sie nehmen eine nebenberufliche Ausbildung auf sich, weil sie es wirklich wollen.”
Zum Thema Inklusion sagte Katja Poschmann, dass es darum gehe, europäisches Recht umzusetzen. Leider fehle vielfach die Vorstellungskraft, wie das möglich wäre. Wie auch im gesamten Schulsystem müsse Veränderung gelebt und auch gewollt werden. Dabei dürfe man die Lehrkräfte nicht überfordern und ständig mit neuen Anforderungen belasten: “Man muss die Menschen in ihrem Beruf auch in Ruhe arbeiten lassen.”
Viel Kritik von Eltern musste sich die Bildungspolitikerin anhören über die mangelnden Vorbereitungen auf die Einschulungstests in den städtischen Kitas in Jüterbog. Diesem Problem will Erik Stohn, der auch Vorsitzender der Jüterboger Stadtverordnetenversammlung ist, nachgehen, insbesondere was den Fortbildungsstand der dortigen Erzieherinnen betrifft. Offensichtlich müssten sie entsprechende Schulungen besuchen, mutmaßte Katja Poschmann. In diesem Zusammenhang verteidigte sie den neuen Kita-Bildungsplan. Auch wenn er von vornherein schlechtgeredet werde besonders von manchem Bürgermeister, der ihn noch nicht mal gelesen habe, würden dort, so Poschmann “ganz klare Lernziele” definiert. In einer Zeit, in der Talente wegen der medialen Vielfalte gar nicht erst entwickelt würden, müsste die Neugier wieder geweckt werden. Das sei jedenfalls eins der Ziele dieses Bildungsplans.